Mein SW-Positivprozess PE-Papiere                                                                                                      Schließen

Meine nachfolgend geschilderte Arbeitsweise bei der Erstellung von SW-Vergrößerungen gilt sinngemäß auch für Baryt-Papier, nur ist hier eine deutlich längere Schlußwässerung erforderlich.

Ich benutze in der Regel Calbe N113 Entwickler (*), den ich 1:1,5 verdünne, dadurch verlängern sich zwar die Entwickelzeiten, aber nach meinem Geschmack sind die Tonwerte einfach schöner. Die Entwicklungszeit ermittele ich bei jeder Papiersorte wie folgt. Ich messe die Zeit, bis sich erste Bildspuren nach dem Eintauchen in den Entwickler zeigen und multipliziere sie dann mit dem Faktor 6, runde allerdings auf die nächste ½ Minute auf, da sich auf meiner Laboruhr, eine Durst-Coltim, nur Stufen im 30 Sekundentakt einstellen lassen. Ich halte mich dann sehr genau an die ermittelte Entwicklungszeit, denn verkürzte Zeit, weil das Papier überbelichtet war, führen zu unschönen Grautönen. Dagegen ist eine zu dunkle, aber ausentwickelte Vergrößerung mit Farmerschem Abschwächer häufig zu retten., allerdings ändert sich auch der Kontrast, denn der Abschwächer ändert  unumkehrbar alle Bildpartien.

Anschließen erfolgt ein Stoppbad von einer 1/2 Minute. Das Stoppbad ist ein Selbstansatz aus Zitronensäure aus dem Drogeriemarkt und Leitungswasser (1), es sollte einen PH-Wert von etwa 5 haben. Ich bevorzuge deshalb Stoppbäder auf Zitronensäurebasis, weil sie geruchlos sind und ich als Asthmatiker mit den Dämpfen der Essigsäurebäder Schwierigkeiten habe, außerdem kann man sie über den Abfluß entsorgen, sie entkalken sogar noch. 

Fixiert werden meine Bilder dann im 2 Bad-Verfahren.

Ich benutze für das erste Bad gebrauchten Fixierer. Steht mir kein gebrauchtes Fixierbad zur Verfügung, benutze ich frisch angesetztes Calbe N300 Fixierbad. Dieses Bad ist ebenfalls wie mein Selbstansatz auf Natriumthiosulfatbasis und hat nicht die agressiven Dämpfe wie die Schnellfixier-Bäder. Das zweite Bad ist ein Selbstansatz (2). Danach werden die Bilder kurz gespült und in einer 1% Natriumkarbonatlösung (Soda) (3) 2 Minuten als Wässerungsbeschleuniger gebadet.

Die Schlußwässerung dauert bei mir 15 Minuten. Von kürzeren Zeiten bei PE-Papieren halte ich nichts, sie sind zwar seit dem es diese Papiere gibt im Gespräch, ich habe aber damit nur negative Erfahrungen gemacht. Ich habe erst kürzlich wieder fleckige Bilder entsorgt, welche ich mal vor etlichen Jahren mit den empfohlenen Wässerungszeiten erstellt hatte. Deshalb gibt es seit ca. 15 Jahren bei mir nur noch eine Wässerungszeit von mindestens 15 Minuten, bei Baryth-Papier ist sie natürlich deutlich länger, denn ..... ich lege schon Wert auf Archivfestigkeit.

Rezepte

Stoppbad (1):

80 g reine Zitronensäure (z.B. von Heitmann) aus dem Drogeriemarkt in 1000ml Wasser auflösen. Wer keine Laborwaage hat, 80g sind ungefähr 2  gehäufte Eßlöffel voll. Es kommt hier wirklich nicht aufs Gramm an, denn der Ansatz wird nach Gebrauch eh über den L.... (sorry, dasÖrtchen, südlich vom Main, das Häus'l) entsorgt.


Fixierbad 2 (2):

240 g Natriumthiosulfat bei 52° in 900ml Wasser auflösen
30 g Natriumsulfit zufügen
auf 1000 ml auffüllen.


Natriumkarbonatlösung (Soda) (3):

100 ml 10% Vorrats-Lösung auffüllen auf 1000 ml

Arbeitsablauf in Kurzform

Entwickeln in Calbe N113 1:1,5 verdünnt Zeit ca. 3 Min. ,  aber variabel je nach Papier und Bildspurzeit

Stoppbad Zeit 1 Min.

Fixage in gebrauchtem Bad Zeit 3 Min.

Bilder In Behälter mit Wasser sammeln

Fixage in frischem Fixierbad Selbstansatz Zeit 5 Min.

Abspülen

Bad in 1 % Natriumkarbonatlösung Zeit 2 Min.

Schlußwässerung Zeit 15 Min.

Die Bilder sind dann  archivfest.

(*) Da der Entwickler in Pulverform geliefert wird und Hydrchinon (1) enthält, benuzte ich beim Ansetzen  grundsätzlich einen Mundschutz und Handschuhe. Außerdem setze ich den Entwickler nur mit der halben Menge Wasser als Vorratslösung an, er ist nach meiner gemachten Erfahrung in bis oben gefüllten Flaschen  deutlich länger haltbar, entnommene Mengen gleiche ich durch Glasmurmeln in der Vorratsflasche aus. Ich bevorzuge diese Arbeitsweise deshalb, weil ich die Menge von einem Liter Entwickler während einer Laborsitzung nie ausnutze. Da es dann auch immer eine Weile dauert, bis ich erneut vergrößere, ist der gebrauchte Entwickler dann meist verdorben.   

Ich bevorzuge auch deshalb Entwickler in gelieferter Pulverform, weil die daraus erstellten Vorratslösungen wesentlich länger haltbar sind, als fertige Konzentrate.  Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Vorratslösungen auch noch nach einem knappen Jahr zu gebrauchen waren, allerdings die o.g. Schutzmaßnahmen vorausgesetzt.

Der Calbe N 113 wird von einem renomierten Lieferanten sogar Zauberbrühe genannt, ganz so euphorisch sehe ich das allerdings nicht. Die Standzeiten in der Schale und die Ausnutzbarkeit sind enorm, aber man sollte versuchen die Temperatur möglichst konstant auf 20° zu halten, wenn er zu warm wird, arbeitet er zu kontrastreich, er arbeitet ohnehin schon sehr kontrastreich. Wird er kälter arbeitet er weicher.  Daß sich das Kontrastverhalten eines Positiventwicklers bei Temperaturen <> 20° sichtbar ändert, ist nicht nur ein Calbe N 113 spezifischer Vorgang. Dieser Aspekt wird oft viel zu wenig beachtet. Ich bin allerdings auch erst dahinter gekommen , weil ich es mal gelesen hatte und  durch eigenen Beobachtungen bestätigt fand.

Ich setze 1 l Arbeitslösung 5 ml Labphot Additiv BL 20 zu,  um den Bildton von neutralschwarz in einen von mir bevorzugten  kälteren Bildton zu ändern.      

(1) Hydrochinon steht im Verdacht krebserregend zu sein, ist aber in den meisten Entwicklern enthalten. Deshalb unbedingt die Hinweise auf der Verpackung beachten. Gebrauchter Entwickler muß somit zwingend über die Schadstoffsammelstelle entsorgt werden.                                                

                                                                                                                                                                                                                        Schließen